Cover: Sechs Jahrzehnte Milliarden im Nebel

Sechs Jahrzehnte Milliarden im Nebel

Sechs Jahrzehnte Schweizer Rüstungsbeschaffung — und was sich ändern muss

AutorBeat Meier
Erscheinungsjahr2026
ISBN978-3-907898-04-8
GenreSachbuch
SpracheDeutsch
Rüstungsbeschaffung Governance Institutionenkritik Zeitgeschichte

Im Februar 2025 teilte die US-Rüstungsbehörde DSCA der Schweiz mit, der für die 36 F-35A-Kampfjets vereinbarte Festpreis sei ein Missverständnis gewesen. Die Mehrkosten: zwischen 650 Millionen und 1,3 Milliarden US-Dollar.

Dieses Buch verfolgt ein Muster über sechs Jahrzehnte — von der Mirage-Affäre 1964 über den Pannenpanzer 68, den gescheiterten Gripen, die endlose Drohnen-Odyssee bis zum F-35-Debakel. An jedem Punkt dieselben Symptome: Kostenüberschreitungen nach Vertragsunterzeichnung, Warnungen die als Gefährdung der Landesinteressen abgetan werden, Kontrollinstanzen die man schwächt, Daten die vernichtet werden sollen.

Die zentrale Frage: Wenn der Besteller den Einkäufer beaufsichtigt — kann die Beschaffungsbehörde dann überhaupt unabhängig evaluieren?

Für wen ist dieses Buch?

  • Schweizer Bürgerinnen und Bürger, die verstehen wollen, wohin ihre Steuergelder fliessen
  • Parlamentarier und Verwaltungsangehörige
  • Alle, die sich für Governance und institutionelle Kontrolle interessieren

En février 2025, l'agence d'armement américaine DSCA a informé la Suisse que le prix fixe convenu pour les 36 F-35A était un malentendu. Surcoût : entre 650 millions et 1,3 milliard de dollars US.

Ce livre retrace un schéma sur six décennies — de l'affaire Mirage de 1964 au char de dépannage 68, au Gripen avorté, à l'odyssée des drones jusqu'au fiasco F-35. À chaque étape, les mêmes symptômes : dépassements de coûts après signature, avertissements écartés comme atteinte aux intérêts du pays, instances de contrôle affaiblies, données que l'on veut détruire.

La question centrale : lorsque le donneur d'ordre surveille l'acheteur — l'autorité d'acquisition peut-elle encore évaluer de manière indépendante ?

À qui s'adresse ce livre ?

  • Citoyennes et citoyens suisses qui veulent comprendre où va leur argent
  • Parlementaires et fonctionnaires
  • Toutes les personnes intéressées par la gouvernance et le contrôle institutionnel

Nel febbraio 2025, l'agenzia statunitense per gli armamenti DSCA ha comunicato alla Svizzera che il prezzo fisso concordato per i 36 F-35A era stato un malinteso. Costi aggiuntivi: tra 650 milioni e 1,3 miliardi di dollari USA.

Questo libro segue uno schema lungo sei decenni — dall'affare Mirage del 1964, al carro da recupero 68, al Gripen fallito, all'infinita odissea dei droni, fino al fiasco F-35. Ogni volta gli stessi sintomi: superamenti di costi dopo la firma del contratto, avvertimenti bollati come pregiudizio agli interessi del paese, istanze di controllo indebolite, dati che si vogliono distruggere.

La domanda centrale: quando il committente sorveglia l'acquirente — l'autorità d'acquisto può ancora valutare in modo indipendente?

A chi è rivolto il libro?

  • Cittadine e cittadini svizzeri che vogliono capire dove vanno le loro tasse
  • Parlamentari e funzionari
  • Tutti gli interessati a governance e controllo istituzionale

In February 2025, the US defence agency DSCA informed Switzerland that the fixed price agreed for the 36 F-35A fighter jets had been a misunderstanding. Additional cost: between 650 million and 1.3 billion US dollars.

This book traces a pattern over six decades — from the 1964 Mirage affair through the Panzer 68, the failed Gripen, the endless drone odyssey, to the F-35 debacle. At every step, the same symptoms: cost overruns after contract signing, warnings dismissed as a threat to national interests, oversight bodies weakened, data that was to be destroyed.

The central question: when the client supervises the buyer — can the procurement authority still evaluate independently?

Who is this book for?

  • Swiss citizens who want to understand where their tax money goes
  • Parliamentarians and administration staff
  • Anyone interested in governance and institutional oversight
Leseprobe — Kapitel 1: Die Mirage-Affäre — Die Geburt eines Systems

Der Freiburger Nachrichten lag auf dem Küchentisch, neben dem Teller mit dem Gruyère und der angebrochenen Flasche Dôle. Madeleine stand in der Tür und wartete darauf, dass ihr Vater sie bemerkte.

Raymond Favre, Posthalter in Marly, las die Zeitung immer von hinten. Sport, dann Lokales, dann die erste Seite. An diesem Abend im Oktober 1964 war er auf der ersten Seite stehengeblieben. Seine Lippen bewegten sich beim Lesen, wie immer bei wichtigen Texten — ein Relikt seiner Jahre als Rekrut, in denen der Instruktor jeden Befehl hatte nachsprechen lassen.

«Acht Millionen pro Stück haben sie dem Parlament gesagt», sagte er, ohne aufzublicken. «Fünfzehn Millionen kostet es jetzt. Und für hundert Flieger reicht es trotzdem nicht.» Er faltete die Zeitung zusammen, nicht sorgfältig wie sonst, sondern ungehalten, mit einem Knick quer über die Schlagzeile. «Die da oben in Bern.»

Madeleine war zwölf. Sie verstand nicht, was eine Mirage war, ausser dass der Name französisch klang und dass es etwas mit Flugzeugen zu tun hatte, die sehr teuer waren.

Das Versprechen

Am 20. Juni 1961 bewilligte die Bundesversammlung einen Kredit von 871 Millionen Franken für die Beschaffung von hundert Kampfflugzeugen des Typs Mirage IIIS. Das Flugzeug, gebaut von der französischen Firma Dassault, galt als eines der modernsten seiner Generation — Mach 2, Deltaflügel, Allwetterfähigkeit.

Der Kredit war sorgfältig berechnet worden. Die Botschaft des Bundesrates an die Bundesversammlung umfasste die Beschaffung der Flugzeuge, der Lenkwaffen, der Logistik und der Bodeninfrastruktur. Die Zahlen wirkten solide. Das Parlament stimmte zu, mit grosser Mehrheit.

Was das Parlament nicht wusste: Die Kosten waren von Anfang an unvollständig.

Das Eidgenössische Militärdepartement hatte beschlossen, die französischen Mirage IIIS nicht in der Standardkonfiguration zu beschaffen. Die Schweizer Luftwaffe verlangte Modifikationen, die den Charakter des Flugzeugs veränderten. Das französische Cyrano-Feuerleitradar wurde durch das amerikanische Hughes-TARAN-18-System ersetzt. Die Bordelektronik wurde für Schweizer Einsatzanforderungen umgebaut — alpine Operationen, kurze Pisten, Kaverne-Tauglichkeit. Jede einzelne Modifikation hatte ihre militärische Logik. Zusammen ergaben sie ein anderes Flugzeug als das, für welches das Parlament den Kredit bewilligt hatte.

Die Eskalation

Zwischen 1961 und 1964 wuchsen die Kosten in einer Dynamik, die spätere Generationen von Parlamentariern aus ihren eigenen Erfahrungen wiedererkennen würden. Die Modifikationen erwiesen sich als komplexer als geplant. Der Einbau der amerikanischen Elektronik in ein französisches Flugzeug erzeugte Schnittstellenprobleme, die niemand vorausgesehen hatte — oder die niemand hatte voraussehen wollen.

Es ist wichtig, hier innezuhalten und festzustellen, was nicht geschah. Es gab keinen Betrüger. Es gab keinen einzelnen Entscheid, an dem jemand beschloss, das Parlament zu täuschen. Was geschah, war etwas Schwierigeres: Eine Behörde, die ihrem Auftraggeber organisatorisch unterstellt war, tat das, was Behörden in dieser Konstellation tun. Sie meldete das, was man hören wollte, nicht das, was man hören musste.

Im Sommer 1964 konnte die Diskrepanz nicht mehr verborgen werden. Das EMD beantragte einen Nachtragskredit von 576 Millionen Franken — 66 Prozent über dem ursprünglichen Budget.

Die Untersuchung

Die Reaktion des Parlaments war beispiellos. Zum ersten Mal in der Geschichte der Eidgenossenschaft setzte die Bundesversammlung eine Parlamentarische Untersuchungskommission ein. Der Nationalrat Kurt Furgler, ein 40-jähriger CVP-Jurist aus St. Gallen, wurde zum Vorsitzenden gewählt.

Was die PUK fand, war kein kriminelles Vergehen, sondern ein institutionelles Versagen. Das EMD hatte die Kosten gekannt, aber nicht korrekt kommuniziert. Furglers Kommission arbeitete unter Bedingungen, die es im schweizerischen Parlamentsrecht bis dahin nicht gegeben hatte. Was Furgler und seine Kollegen dabei entdeckten, war nicht ein einzelner Fehler, sondern ein System der Informationssteuerung: Die Verwaltung hatte dem Parlament nicht gelogen — sie hatte ihm selektiv die Wahrheit gesagt.

Das Parlament bewilligte den Nachtragskredit nicht in voller Höhe. Statt 576 Millionen genehmigte es 150 Millionen. Die Flotte wurde von hundert auf 57 Flugzeuge reduziert.

Extrait — Chapitre 1 : L'affaire Mirage

L'extrait complet est disponible dans la version allemande. Une traduction française intégrale suivra lors de la publication du livre.

Estratto — Capitolo 1: L'affare Mirage

L'estratto completo è disponibile nella versione tedesca. Una traduzione italiana integrale seguirà alla pubblicazione del libro.

Reading sample — Chapter 1: The Mirage Affair

The full reading sample is available in the German version. A complete English translation will follow upon publication of the book.

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