Cover: Bewaffnete Neutralität
Vorankündigung

Bewaffnete Neutralität

Wie die Schweiz verteidigt werden kann

AutorenBeni Gafner, Beat Meier
Erscheinungsjahr2026
GenreSachbuch
SpracheDeutsch
Sicherheitspolitik Neutralität Rüstungsbeschaffung Armasuisse
Dieses Buch erscheint in Kürze. Bezugsmöglichkeiten werden hier bekanntgegeben, sobald das Buch lieferbar ist.

Das Buch fordert die sofortige Reorganisation der Rüstungsbeschaffung. Die Armasuisse muss per Gesetz aus dem VBS herausgelöst und — nach dem Vorbild des Nuklearsicherheitsinspektorats ENSI — als öffentlich-rechtliche Anstalt im dritten Kreis der Bundesverwaltung verankert werden, fachlich nicht weisungsgebunden, politisch dem Parlament rechenschaftspflichtig.

Der Fall Mirage 1964, der Pannenpanzer 68, die Drohnen-Odyssee von Ranger über ADS 95 bis ADS 15, das Führungsinformationssystem FIS Heer mit einem Verlust von rund 700 Millionen Franken, das Gripen-Debakel von 2014 und die F-35-Festpreis-Affäre von 2022 bis 2025 zeigen dasselbe strukturelle Muster: Eine Beschaffungsbehörde, die dem Besteller organisatorisch unterstellt ist, kann weder unabhängig evaluieren noch kritisch hinterfragen noch auf Augenhöhe mit dem Lieferanten verhandeln.

«Die Schweiz kann sich nicht autonom verteidigen.» Der Satz stammt nicht von einem Oppositionspolitiker, sondern vom früheren Chef der Armee. Der Verteidigungsminister sagt dasselbe. Der Nachrichtendienst schreibt es in seinen Lagebericht: 15 Brennpunkte gleichzeitig — eine solche Bedrohungsdichte hatten wir noch nie.

Beni Gafner, Bundeshaus-Journalist, und Beat Meier, Unternehmer und Autor, legen mit diesem Buch die Fortsetzung von Gafners Buch «Armee am Abgrund» aus dem Jahr 2007 vor. Die damaligen vier Thesen — Aufwuchs als Illusion, systematische Budgeterosion, Wunschdenken beim Bedrohungsbild, Schönwetterkonstrukt — sind Punkt für Punkt eingetroffen. Und heute steht die Sache genau dort, wo sie damals prognostiziert wurde.

Die These

Neutralität hat nur dann Wert, wenn man sie verteidigen kann. Wer ausschliesslich auf Bündnisse und Lieferverträge setzt, ist das schwächste Glied einer Kette, deren andere Glieder stärker sind — das hat die Patriot-Krise 2025 und das F-35-Debakel 2025 gezeigt. Die Schweiz hat im Gegenteil ein Aktivum, das NATO-Mitglieder nicht haben: Sie kann frei auf allen Märkten einkaufen. Sie kann chinesische Laser, taiwanesische Präzisionselektronik, japanische Munition, koreanische Panzer, deutsche Luftabwehr und israelische Sensorik kombinieren, ohne einen Vertrag zu brechen. Dieses Einzige-Beschaffungskriterien-Prinzip — Preis, Zuverlässigkeit, Funktion — ist der handfeste strategische Vorteil der Neutralität.

Für wen ist dieses Buch?

Dieses Buch richtet sich an Stimmberechtigte. Nicht an Fachleute — die kennen die Fakten. Nicht an Politiker — sie entscheiden auf der Grundlage der politischen Mehrheiten, die das Volk ihnen gibt. Sondern an die Bürgerinnen und Bürger, die an der Urne über den Zahlungsrahmen der Armee abstimmen, über die Mehrwertsteuererhöhung von 0,8 Prozentpunkten, die für 2027 in Vorbereitung ist, über die Neutralitäts-Initiative, die parallel läuft, und über die vielen kleineren Fragen, die zusammen den Unterschied zwischen einem Land, das sich selbst schützen kann, und einem Land, das dies nicht kann, ausmachen.

Aufbau

Das Buch versucht, die Grundlagen für diese Entscheidung zu liefern. Es tut dies in sieben Teilen. Teil I beschreibt die Lage — die Bedrohungen, die Nachbarn, die eigene Position. Teil II formuliert die strategischen Grundlagen — die Rolle der Neutralität, den Auftrag, die Prinzipien. Teil III beschreibt den Phasenplan — von den Sofortmassnahmen bis zur technologischen Zukunft der nächsten zehn Jahre. Teil IV geht auf den Nachrichtendienst, die Cyber-Defense und die Frühwarnung ein. Teil V behandelt die Infrastruktur und den Zivilschutz. Teil VI beschäftigt sich mit der Finanzierung und der industriellen Basis. Teil VII bringt den Bogen zurück zur politischen Umsetzung. Jedes Kapitel enthält konkrete Forderungen. Jede Forderung ist mit Zahlen hinterlegt. Jede Zahl stammt aus einer belegten Quelle.

Le livre exige la réorganisation immédiate des acquisitions militaires. Armasuisse doit être détachée du DDPS par voie législative et — sur le modèle de l'Inspection fédérale de la sécurité nucléaire IFSN — érigée en établissement de droit public du troisième cercle de l'administration fédérale : techniquement indépendante, politiquement responsable devant le Parlement.

L'affaire Mirage de 1964, le char de dépannage 68, l'odyssée des drones de Ranger à ADS 15, le système d'information FIS Heer (perte d'environ 700 millions de francs), le fiasco Gripen de 2014 et l'affaire du prix fixe F-35 de 2022 à 2025 montrent toutes le même schéma structurel : une autorité d'achat subordonnée à son propre donneur d'ordre ne peut ni évaluer de manière indépendante, ni questionner de manière critique, ni négocier d'égal à égal avec le fournisseur.

« La Suisse ne peut pas se défendre de manière autonome. » La phrase n'émane pas d'un opposant politique mais de l'ancien chef de l'armée. Le ministre de la défense dit la même chose. Le Service de renseignement l'écrit dans son rapport de situation : 15 foyers de tension simultanément — une telle densité de menaces, nous ne l'avions jamais connue.

Beni Gafner, journaliste au Palais fédéral, et Beat Meier, entrepreneur et auteur, livrent avec cet ouvrage la suite du livre de Gafner « Armée au bord du gouffre » de 2007. Les quatre thèses d'alors — la croissance comme illusion, l'érosion budgétaire systématique, l'aveuglement sur la menace, un édifice de beau temps — se sont vérifiées point par point.

La thèse

La neutralité n'a de valeur que si l'on peut la défendre. Celui qui ne mise que sur des alliances et des contrats de livraison est le maillon le plus faible d'une chaîne dont les autres maillons sont plus forts — la crise Patriot de 2025 et le fiasco F-35 de 2025 l'ont démontré. La Suisse, au contraire, dispose d'un atout que les membres de l'OTAN n'ont pas : elle peut acheter librement sur tous les marchés. C'est l'avantage stratégique concret de la neutralité.

Il libro chiede la riorganizzazione immediata degli acquisti militari. Armasuisse deve essere staccata dal DDPS per legge e — sul modello dell'Ispettorato federale della sicurezza nucleare IFSN — costituita come ente di diritto pubblico del terzo cerchio dell'amministrazione federale: tecnicamente indipendente, politicamente responsabile davanti al Parlamento.

Il caso Mirage del 1964, il carro da recupero 68, l'odissea dei droni da Ranger ad ADS 15, il sistema informatico FIS Heer (perdita di circa 700 milioni di franchi), il fiasco Gripen del 2014 e l'affare del prezzo fisso F-35 dal 2022 al 2025 mostrano lo stesso schema strutturale: un'autorità d'acquisto organizzativamente subordinata al committente non può né valutare in modo indipendente, né interrogare criticamente, né negoziare su un piano di parità con il fornitore.

«La Svizzera non può difendersi autonomamente.» La frase non viene da un politico d'opposizione, ma dall'ex capo dell'esercito. Il ministro della difesa dice lo stesso. Il Servizio delle attività informative lo scrive nel suo rapporto di situazione: 15 focolai di crisi simultanei — una tale densità di minacce non si era mai vista.

La tesi

La neutralità ha valore solo se la si può difendere. Chi punta esclusivamente su alleanze e contratti di fornitura è l'anello più debole di una catena i cui altri anelli sono più forti — la crisi Patriot del 2025 e il fiasco F-35 del 2025 lo hanno dimostrato.

The book calls for the immediate reorganisation of defence procurement. Armasuisse must be legally detached from the DDPS and — following the model of the Federal Nuclear Safety Inspectorate ENSI — re-established as a public-law institution in the third circle of the federal administration: technically independent, politically accountable to Parliament.

The Mirage affair of 1964, the Panzer 68, the drone odyssey from Ranger via ADS 95 to ADS 15, the FIS Heer command information system (a loss of around 700 million francs), the Gripen debacle of 2014 and the F-35 fixed-price affair from 2022 to 2025 all show the same structural pattern: a procurement authority that is organisationally subordinate to its own client can neither evaluate independently, nor critically question, nor negotiate on an equal footing with the supplier.

"Switzerland cannot defend itself autonomously." The sentence does not come from an opposition politician, but from the former chief of the armed forces. The defence minister says the same. The Federal Intelligence Service writes it in its situation report: 15 hotspots simultaneously — such a density of threats we have never had.

The thesis

Neutrality only has value if one can defend it. Those who rely exclusively on alliances and delivery contracts are the weakest link in a chain whose other links are stronger — the Patriot crisis of 2025 and the F-35 debacle of 2025 have shown this. Switzerland, on the contrary, has an asset that NATO members do not have: it can buy freely on all markets.

Leseprobe — Einleitung, Auszug aus Kapitel 1.1 bis 1.6

1.1 Die Nachricht, die keine mehr ist

Am 20. März 2026 beschloss der Bundesrat in Bern die Armeebotschaft 2026. Das Paket umfasst Verpflichtungskredite über rund 3,4 Milliarden Franken. Der bemerkenswerteste Posten ist nicht das, was darin steht, sondern das, was darin fehlt: Statt der ursprünglich bewilligten 36 Kampfflugzeuge des Typs F-35A sollen nun nur noch 30 beschafft werden — weil der angeblich verbindliche Festpreis, auf den sich Bundesrätin Viola Amherd im September 2022 vor dem Nationalrat festgelegt hatte, keiner war. Für dieselbe Summe gibt es weniger Flugzeuge. Im selben Paket steht eine Milliarde Franken für das Luftverteidigungssystem IRIS-T SLM, weil das Patriot-System, das die Schweiz schon 2022 bestellt hatte, auf unbestimmte Zeit nicht geliefert wird. 650 Millionen Franken sind bereits angezahlt. Lieferung: offen. Druckmittel: keines.

Ich las die Meldungen an einem Freitagmorgen im März, im Zug zwischen Olten und Zürich. Ich legte die Zeitung auf den Tisch und schaute hinaus auf eine noch kahle Frühlingslandschaft. Nicht weil mich die Nachricht überraschte. Sondern weil sie mich nicht überraschte. Ich hatte dieses Buch schon einmal geschrieben, vor bald zwei Jahrzehnten. Damals, im Jahr 2007, lautete der Titel jener Schrift sinngemäss, dass der Zug auf den Prellbock zufahre.

Dieses Buch ist die Fortsetzung. Es ist der zweite Versuch, eine Debatte auszulösen, die in der ersten Runde nicht stattgefunden hat. Es schreibt sich leichter, weil niemand mehr bestreiten kann, was 2007 noch bestritten wurde: dass die Schweizer Armee ihre Verteidigungsfähigkeit verloren hat. Es schreibt sich schwerer, weil das Bestreiten der Lage 2007 noch eine politische Option war — heute ist es das nicht mehr, und trotzdem verhält sich die Politik in weiten Teilen so, als sei Zeit noch reichlich vorhanden.

1.2 Der Weckruf: Ukraine 2022–2026

Am 24. Februar 2022 marschierten russische Truppen in die Ukraine ein. Der erste Tag dieses Krieges war der Tag, an dem Europa begriff, dass die geopolitische Pause, die nach dem Fall der Berliner Mauer 1989 begonnen hatte, zu Ende ist. In der Schweiz dauerte das Begreifen etwas länger.

Europa hat reagiert. Am 4. März 2025 legte die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen den Plan «ReArm Europe» vor, später in «Readiness 2030» umbenannt. Gesamtvolumen: bis zu 800 Milliarden Euro. Zwei Wochen später, am 18. März 2025, beschloss der Deutsche Bundestag mit den Stimmen von Union, SPD und Grünen eine Grundgesetzänderung, die kreditfinanzierte Investitionen in Verteidigung, Infrastruktur und Klimaschutz ausserhalb der Schuldenbremse ermöglicht. Der deutsche Verteidigungshaushalt 2025 lag bei rund 86,5 Milliarden Euro, jener für 2026 bei 108,2 Milliarden Euro. Das ist innerhalb eines einzigen Jahres eine Steigerung um 25 Prozent.

Und die Schweiz? Sie diskutiert 2026 noch über den Pfad zu einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts bis 2032. Ein Land mitten in Europa, dessen Nachbarn ihre Verteidigungshaushalte verdoppeln, diskutiert darüber, ob es in sechs Jahren ein Prozent seines Bruttoinlandsprodukts für die eigene Armee ausgeben soll.

1.6 Die Lehre — selbst stark sein

Die Lehre des Jahres 1940 lässt sich in einem einfachen Satz fassen: Nur wer glaubwürdig verteidigungsfähig ist, wird nicht angegriffen. Der Satz klingt brutal, weil er brutal ist. Er ist zugleich die Grundlage jeder vernünftigen Sicherheitspolitik kleiner Staaten in einer multipolaren Welt.

Was Neutralität allerdings voraussetzt, ist Verteidigungsfähigkeit. Neutralität ohne Armee ist eine Etikette ohne Inhalt. Deshalb lautet der Massstab nicht: «Wie viel Militär verträgt die Neutralität?», sondern: «Was braucht die Neutralität, um nicht zur Farce zu werden?» Diese Frage ist gestellt, seit Thomas Süssli sie in die einfache Formel gebracht hat: «Neutralität hat nur dann Wert, wenn man sie verteidigen kann.»

Extrait — Introduction, extrait du chapitre 1

L'extrait complet est disponible dans la version allemande. Une traduction française intégrale suivra lors de la publication du livre.

Estratto — Introduzione, estratto dal capitolo 1

L'estratto completo è disponibile nella versione tedesca. Una traduzione italiana integrale seguirà alla pubblicazione del libro.

Reading sample — Introduction, excerpt from chapter 1

The full reading sample is available in the German version. A complete English translation will follow upon publication of the book.

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